Hamburger Abendblatt

Hamburger Sparkurs gefährdet Uni-Sanierung

23. Juni 2010

Studierende protestieren mit Menschenkette

Studenten und Professoren der Universität Hamburg bildeten eine Menschenkette, um für die Sanierung der Hochschule zu protestieren. Der AStA hatte zu der fünfminütigen Mahnwache aufgerufen.Von Katharina Mennrich, Pressesprecherin des AStA an der Universität Hamburg

Seit mehr als einem Jahr sorgte der geplante Uni-Umzug in die Hafen City für heftige Diskussionen. Sowohl Dozenten als auch Studierende sprachen sich gegen den Umzug aus, weil sie unter anderem die längeren Wege scheuten und den interdisziplinären Fächeraustausch gefährdet sahen. In ihrer ablehnenden Haltung wurden sie vom AStA der Universität unterstützt. Auch der Bezirk Eimsbüttel und die Geschäfte im Grindel-Viertel, deren Existenz manchmal von der Campusnähe abhängt, sprachen sich gegen eine Umsiedlung auf den Kleinen Grasbrook am Hafen aus.

Befürworter des Uni-Umzugs waren die ehemalige Hochschulpräsidentin Monika Auweter-Kurz und die Hamburger Bildungssenatorin Herlind Gundelach (CDU). Die Uni-Leitung durchlief jedoch nach Amtsantritt des neuen Präsidenten Dieter Lenzen im März 2010 einen deutlichen Kurswechsel. Anfang Mai sprach sich der Akademische Senat der Universität einheitlich für einen Verbleib in Eimsbüttel aus. Senatorin Gundelach beharrte allerdings weiterhin darauf, einen Teil der Universität in die Hafen City auszulagern.

Studierende protestieren mit Menschenkette

Hamburger Studierende protestieren mit Menschenkette

Deshalb hatten die Vertreter des Hamburger AStA für Donnerstag vergangener Woche zu einer Menschenkette aufgerufen. Die Mahnwache war ursprünglich als Protest gegen den Uni-Umzug gedacht. Überraschend hatte aber einen Tag zuvor Bürgermeister Ole von Beust (CDU) dem Großprojekt und der damit verbundenen Debatte ein Ende gesetzt: „Der Uni-Umzug ist vom Tisch,“ sagte er am vergangenen Mittwoch in einer Regierungserklärung. Vor dem Hintergrund des angeschlagenen Hamburger Haushalts könne die Hochschule nicht umziehen, sondern müsse am Standort Eimsbüttel bleiben. Von Beust sagte, stattdessen werde ein dreistelliger Millionenbetrag in die Sanierung der Universität investiert.

Präsident Dieter Lenzen begrüßte die Erklärung von Beusts, der damit auch der Empfehlung des Akademischen Senats folge. Lenzen betonte jedoch die Notwendigkeit, die Sanierungs- und Erweiterungsarbeiten am momentanen Standpunkt voranzutreiben. Bei den Studierenden sorgte von Beusts Erklärung hingegen für wenig Erleichterung. Sie befürchten weiter, dass die seit langem geforderte Sanierung der maroden Uni-Gebäude ausfallen oder sich bloß auf kleine kostengünstige Schönheitskorrekturen belaufen könnte. Dringenden Handlungsbedarf sehen sie vor allem wegen des gravierenden Platzmangels, welcher sich angesichts der doppelten Abiturjahrgänge in diesem Jahr noch vergrößert.

Die Hamburger Uni hat gravierende Platzprobleme. Quelle: AP

Die Uni Hamburg hat Platzprobleme. Quelle: AP

Aus diesen Gründen hielt der AStA an der geplanten Menschenkette fest. Am Donnerstagmittag kamen zahlreiche Studierende und Lehrende auf dem Campus zusammen und umschlossen für einige Minuten das Uni-Hauptgebäude, um die Hamburger Regierung an eine schnelle Sanierung zu mahnen. „Wir fordern explizite Finanzierungs- und Bebauungspläne noch vor Semesterende vom Senat“, sagte der AStA-Vorsitzende Sören Faika. Er betonte, dass die Studierenden der Uni Hamburg keine weiteren zwei Jahre auf einen Baustart warten würden. „Wir werden die Sanierung solange mit Nachdruck einfordern, bis der erste Stein gelegt ist“, sagte Faika.